FVA 2

FVA 2: „Blaue Maus“

Auf Grund der großen Erfolge mit dem „Schwatzen Düvel“ im Jahre 1920 lag es nahe, eine vom Konzept her unveränderte, in Details jedoch verbesserte Version, zu bauen. Diese, wiederum von Klemperer konstruierte Maschine, die im Frühsommer 1921 gebaut wurde, erhielt den Namen „Blaue Maus“ und die Typenbezeichnung FVA-2. In Anbetracht der mit dieser Konstruktion auf dem Rhönwettbewerb erzielten Leistungen kann man heute wohl sagen, dass die „Blaue Maus“ das erfolgreichste von der FVA gebaute Segelflugzeug war.

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Äußerlich glich die „Blaue Maus“ ihrem Vorgänger, jedoch saß vor allem der Flugzeugführer tiefer, um weniger Luftwiderstand zu verursachen. Durch die auf 9,70 m vergrößerte Spannweite und das gegenüber der FVA-1 um 8 kg verringerte Leergewicht betrug die Flächenbelastung der FVA-2 nur 8,26 kg/m².

Angeregt durch das gute Abschneiden auf dem Rhönwettbewerb 1920 hatte die FVA zum 2. Wettbewerb gleich zwei Flugzeuge gemeldet, den „Schwatzen Düvel“, das Siegerflugzeug des Vorjahres als Übungsflugzeug, und die FVA-2 „Blaue Maus“ oder das „Flugzeug B“. Die Aachener hatten als Piloten – außer Klemperer – noch Bienen und Fromm gemeldet. Die beiden letzteren mussten allerdings vor dem Wettbewerb noch ihre Segelflugprüfung ablegen, was ihnen am 10. August ohne Schwierigkeiten gelang. Darauf beteiligten sie sich mit Klemperer an den Wettbewerbsflügen.

Die WGL stellte die Bauprüfer, und die Flugzeuge mussten – wollten sie am Wettbewerb teilnehmen – mindestens einen Flug von 300 m Länge oder 30 Sekunden Dauer nachweisen. Auch die Flugzeugführer mussten einige Erfahrungen im Umgang mit Segelflugzeugen nachweisen.

Auf dem zweiten Rhönflugwettbewerb holte sich Klemperer mit der „Blauen Maus“ den dritten Preis mit 1302 Sekunden Flugzeit während 12 Flügen. Darunter waren ein Flug über 2580 m Strecke in 4 Minuten und 51 Sekunden und ein Flug über 2080 m Strecke in 5 Minuten und 50 Sekunden. Nach dem Wettbewerb, der aus finanziellen Gründen nicht verlängert werden konnte, wurde tüchtig weitergeflogen.

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„Blaue Maus“ mit Klemperer im Flug über der Wasserkuppe 1921.

Am 30. August startete Klemperer zu dem ersten größeren Streckenflug in der Geschichte des Segelfluges. Er verließ als erster die Hänge der Wasserkuppe und segelte in 13 Minuten bis vor die Tore der Stadt Gersfeld. Mit 4,6 km hatte er gleichzeitig die bisher längste Strecke zurückgelegt.
Mit diesem Rekord brach Klemperer auch die Flugzeiten von Orville Wright aus der Vorkriegszeit in Amerika. Die bekannte englische Zeitschrift „Flight“ schrieb zu diesem die ganze Welt aufhorchen lassenden Ereignis: „Hätte man uns vor einigen Wochen erzählt, man könne sich mit einem motorlosen Flugzeug ohne fremden Antrieb eine Viertelstunde in der Luft halten, wir hätten, milde gesagt, zumindest daran gezweifelt.“ (entnommen aus dem Artikel von Wolfgang Wagner, aerokurier 1973/2, S. 144).

Die FVA-2 wurde in den folgenden Jahren in insgesamt drei Exemplaren von der 1922 gegründeten „Aachener Segelflugzeugbau GmbH“ nachgebaut. Eine „Blaue Maus“ wurde nach England, eine zweite wahrscheinlich an die Segelfluggruppe Fulda verkauft. Jedenfalls hat Peter Bruders in einer Halle auf der Wasserkuppe ein bereits stark mitgenommenes Exemplar der FVA-2 gesehen.

Der Prototyp der „Blauen Maus“, Klemperers Weltrekordflugzeug, fiel im Jahre 1922 einem gewagten Manöver zum Opfer:
Klemperer wollte unbedingt einmal die Gleitleistung der „Blauen Maus“ unbeeinflusst vom Hangaufwind ermitteln. Er befestigte das Segelflugzeug an einem Ballon, ließ sich von diesem auf große Höhe bringen und klinkte dann aus, um einen längeren Gleitflug durchzuführen. Infolge der bei dem Ausklinkvorgang nicht anliegenden Strömung ging die FVA-2 sofort in das Flachtrudeln. Es gelang Klemperer nicht, sie vor dem Auftreffen auf dem Boden aus diesem Zustand herauszubekommen.