FVA 13

FVA 13: „Olympia-Jolle“

Im Frühjahr 1938 wurde die FVA aufgefordert, sich an der Entwicklung eines Einheitssegelflugzeuges zu beteiligen, das bei den Olympischen Spielen 1940, bei denen der Segelflug erstmalig als Olympische Disziplin vorgesehen war, von allen Teilnehmern geflogen werden sollte. Es sollten vorläufig zwei Versuchsmaschinen gebaut werden, die bis zum 1. Januar 1939 fertiggestellt sein mussten. Wegen des starken Zeit- und Leistungs- druckes entschloss sich die FVA, nur die FVA-13 VI in Aachen zu bauen und ließ parallel die V2 von der FAG Darmstadt bauen.

Herbert Kaulbach machte im Rahmen seiner Diplomarbeit den allgemeinen Entwurf sowie im Einzelnen die Konstruktion des Rumpfes mit den Steuerorganen.

Die folgenden Auszüge stammen aus der Diplomarbeit von Herbert Kaulbach, die er bei Prof. Wieselsberger machte und dem Archiv der FVA im Original zur Verfügung stellte.

„Allgemeine Richtlinien“
Die Aufgabe lautet: Es ist ein Segelflugzeug zu entwerfen, das den Richtlinien für das Olympia-Einheitssegelflugzeug entspricht. In folgendem werden kurz diese Richtlinien zusammen gefasst, wie sie von der Kommission Du Vol Sans Moteur 1938 aufgestellt wurden. Nach den Beschlüssen des Internationalen Olympischen Kommitees sind Kunstflugwettbewerbe im Rahmen der Olympischen Spiele nicht zugelassen. Unter Berücksichtigung der geplanten Ausschreibung, welche Zielstreckenflüge von 70-100km vorsieht, ist ein Segelflugzeug in Betracht zu ziehen, welches leistungsmäßig mit dem bekannten Segelflugzeugmuster Rhön-Bussard verglichen werden könnte. Das Olympische Einheitssegelflugzeug braucht mithin keine Hochleistungsmaschine zu sein. Trotzdem zahlreiche Segelflugzeuge vorhanden sind, welche diesen Bedingzingen entsprechen, wurde von der Kommission beschlossen, nach ganz bestimmten Gesichtspunkten eine neue Olympische Maschine zu schaffen. Alle interessierten Nationen sollen bis Februar 1939 nach vorgeschriebenen Bedingungen ein Olympia-Segelflugzeug konstruieren. Diese Flugzeuge sollen im Februar 1939 in Rom vorgeflogen werden. Bei dieser Gelegenheit wird eine Kommission von Ingenieuren und eine solche von Piloten die beste Maschine auswählen und als zukünftige Olympiamaschine bestimmen.

Die von der CVSM aufgestellten Richtlinien, die bei der Konstruktion des Flugzeuges beachtet werden müssen, sind folgende:

  • Spannweite 15m
  • Einheitlichkeit des Materials: Stahl, Sperrholz und Kiefer
  • Die Maschine soll in der Lage sein, sich einige Zeit auf dem Wasser schwimmend zu erhalten.
  • Sturzflugbremsen die die Maximalgeschwindigkeit im Sturzflug auf 200 km/h beschränken.
  • Bei der Einrichtung des Führersitzes ist von einer Größe des Piloten von 1,80 m auszugehen.
  • Rumpf mit Kufe ohne Fahrgestell
  • Führersitz mit Rückenfallschirm
  • Äßre Führerraumbreite 600 mm
  • Rüstgewicht maximum 160 kg
  • Zuladung 95 kg. Nötigenfalls muss die Zuladung durch Anbringung von Gewichten auf 95 kg ergänzt werden. Die sichere Anbringung von Zuladungsgewichten ist deshalb schon bei der Konstruktion zu berücksichligen.

Diese oben aufgeführten Richtlinien und die Kürze der für Entwicklung, Konstruktion und Bau des Flugzeuges zur Verfügung stehenden Zeit lassen es für zweckmäßig erscheinen, nichts grundlegend Neues zu schaffen, sondern eine Anlehnung an ein bereits vorhandenes Muster, das vor allem gute fliegerische Eigenschaften aufweist, vorzusehen. Bei einem Vergleichsfliegen wird letzthin ausschlaggebend sein, ob eine Maschine zur olympischen Einheitsmaschine bestimmt wird, weniger die Flugleistungen als die fliegerischen Eigenschaften. Es erscheint mir deshalb zwecklos, beim Entwurf Zeit zu verlieren durch Anstellen von Überlegungen, mit welchen Mitteln, Wahl besonderer Profile, oder dergl. sich die besten Leistungen erzielen lassen. Vielmehr betrachte ich es als eine der Grundforderungen, ein vorhandenes Muster mit wie gesagt anerkannt guten Flugeigenschaften einmal so nach allen Gesichtspunkten hin zu untersuchen, d. h. erstens eine rechnerisch einwandfreie Unterlage zu schaffen und zweitens in baulicher Hinsicht das einfachste und zweckmäßigste zu finden. Da die Maschine evtl. von allen beteiligten Nationen nachgebaut werden muss, ist eine einwandfreie Zeichnungsunterlage mit Stücklisten, Bezifferung, Unterteilung in Baugruppen usw. unumgänglich. Der Preis je Maschine soll sich bei Serienbau auf etwa 2.500 RM belaufen.

Dieser Preis setzt ebenfalls eine auf äußerste Einfachheit bedachte Bauweise voraus. Eine Schulterdeckerbauweise bringt erfahrungsgemäß eine wesentliche Mehrarbeit mit sich infolge des komplizierten Rumpf-Flügelüberganges, wo sich umständliche Schaffungen nicht umgehen lassen, zumal die Verwendung von Leichtmetall Elektron oder Dural, mit dessen Verwendung man sonst bei serienmäßiger Herstellung billig diese Übergänge schaffen könnte, auf Grund der Bedingung 2 nicht zulässig ist. Die einfachste Bauart ist in diesem Fall die Hochdeckerbauart, da sich der Hals so ausbilden läßt, dass der Flügel überall dicht anliegt.

Da das Segelflugzeug FVA-9 die zuvor erwähnten anerkannt guten Flugeigenschaften besitzt, lehnt sich der Entwurf diesem Muster an bezgl. Flügelprofile, Flügelumriss und Hochlage der Ruder zueinander. Der neue Entwurf sieht jedoch im Gegensatz zum Muster FVA-9, das abgestrebt ist, eine freitragende Flächenaufhängung vor. Da die Maschine vor allem gute Wendigkeit aufweisen soll, wurde bei der Leistungsberechnung verlangt, zum mindesten die Drehgeschwindigkeit der FVA-9 zu erreichen und nach Möglichkeit an die der FVA-10 heranzukommen. Weitere Konstruktionseinzelheiten folgen in der Baubeschreibung.

Der Entwurf sieht vor: ein Leergewicht von 120 kg. Dieses Mehrgewicht gegenüber dem Muster FVA-9 (95kg) ist durch die freitragende Bauweise und durch die verschärften Festigkeitsforderungen, die für die Olympia-Einheitssegelflugzeuge von der Kommission gestellt werden, bedingt. Um die Landegeschwindigkeit in üblichen Grenzen zu halten, 45 km/h, wurde die Flächenbelastung unter 15 kg/m² gehalten, und zu G/F = 14,8 kg/m² gewählt. Damit ergibt sich eine Fläche von F = 14,5 m².

Um rechnerisch einwandfreie Unterlagen zu bekommen, wurde ein Modell angefertigt und im Windkanal des Aerodynamischen Instituts Aachen durchgemessen.

Um hinsichtlich werkstattmäßiger Herstellung einwandfreie Untersuchungen anstellen zu können, wurde eine Attrappe gebaut, die es ermöglicht, die günstigste Beplankungsart des Rumpfvorderteiles praktisch zu ermitteln und den Einbau des Führersitzes so günstig wie möglich zu gestalten und weiterhin für Fragen des Einbaues von Steuerungsorganen usw. von wesentlicher Bedeutung ist.

Der Umriß des Flügels soll sich dem des bereits ausgeführten Musters FVA-9 weitgehend anpassen. Im Mittelteil ist der Flügelumriss rechteckig und nimmt nach außen hin geradlinig ab. Die Tiefe am Rumpf beträgt 1,22 m und bleibt bis in Entfernung 2,75 m konstant. Ab 2,75 m verjüngt sich die Tiefe bis sie am Ende des Flügels = 0,44 m wird. Das Verjüngungsverhältnis beträgt mithin 0.363. Dieses Verhältnis ist in einer Arbeit von Koning und Boelen als das günstigste angegeben worden. Das Flügelende wird dann durch Randbogen abgerundet.“

Im Gegensatz zur FVA-9, an deren Konstruktion sich die FVA-13 anlehnte, sah der Entwurf eine freitragende Flächenaufhängung vor. Aus Montagegründen wählte man sie unsymmetrisch, d. h. der linke Flügel wurde mit dem Rumpf verbunden, ragte aber noch über diesen hinaus, so dass der rechte Flügel an diesem überstehenden Stummel außerhalb des Rumpfes angeschlossen wurde. Durch diesen Kniff konnte ein Helfer beim Aufrüsten gespart werden.

Nach dem Bau wog die „Olympia-Jolle“ dann 156 kg, und die Zuladung betrug genau 95 kg. Die internationale Kommisssion wählte von den drei aus Deutschland eingegangenen Konstruktionen die „Olympia-Meise“ von der DFS aus, so daß die beiden FVA-13 VI und V2 im Vereinsbesitz blieben. Sie wurden im Krieg wie auch andere Maschinen vernichtet.

Da die Olympiade 1940 wegen des Kriegsausbruches nicht mehr stattfand, konnte auch die „Olympia-Meise“ ihren ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllen. Sie wurde jedoch in großer Stückzahl im In- und Ausland vor und nach dem Kriege (in Frankreich unter der Bezeichnung 2000) gebaut.